Zärtlicher Respekt

Babymassage – eine gute Zeit für Eltern und Kind

„Es soll so schön werden wie beim letzten Mal“ wünscht sich Nicole Bubenzer. Zum zweiten Mal ist die Aschaffenburgerin bei Heike Gutwerks Babymassage-Kurs in Schweinheim dabei. Diesmal strampelt nicht Söhnchen Paul auf dem Handtuch, vor dem Nicole Bubenzer sitzt, sondern seine kleine Schwester Lorena. Die Handgriffe sind die gleichen: Mama Nicole massiert ihr Töchterchen, und Heike Gutwerk zeigt, wie es richtig geht. Die Kursleiterin will Müttern (und Vätern) helfen, mit Babymassage eine besondere Beziehung zum Kind aufzubauen.

Fünf Frauen machen den aktuellen Kurs im Bewegungs-frei-Raum in Schweinheim mit; ihre Babys sind wenige Wochen alt. Der Raum ist warm, Matten und Handtücher liegen im Kreis auf dem Boden. In der Mitte steht eine Vase mit Blumen auf einem orangenen Tuch: gemütliche Atmosphäre für eine entspannte Stunde.
Die Eltern und ihre Babys sollen sich auf die Massage konzentrieren: deshalb läuft keine Musik, gibt es keine Duftlampe – das wären zu viele Reize für die Kleinen. Tatjana Grimm ist schon zum dritten Mal in Heike Gutwerks Kurs dabei – diesmal, weil sie sich Zeit wünscht, die nur für sie und ihren 13 Wochen alten Julius bestimmt ist. Denn bei drei Kindern bleibe fürs Einzelne wenig Zeit. „Die Babymassage wollte ich uns jetzt mal gönnen“, sagt sie, „Die ersten beiden Male waren sehr schön, auch für die Kinder.“
Babymassage ermöglicht Eltern, sich bewusst Zeit für ihr Neugeborenes zu nehmen, sagt Heike Gutwerk – und seine Bedürfnisse besser kennen zu lernen. Sie lernen, wann das Baby durch Massage ruhiger wird und ob es zum Beispiel danach besser schläft. Und die Übungen seien gut fürs Baby, sagt die Kursleiterin: Sie fördern zum Beispiel seine Durchblutung und die Verdauung. Jeder Kurs beginnt mit einer Entspannungsrunde für die Mütter und Väter – erst dann massieren sie ihre Kinder. Das beste Öl für Babys Haut ist reines, kalt gepresstes. Denn die Haut hat keinen Filter, so dass sich Rückstände im Öl leicht in ihr anreichern.
Für die Übungen formen die Eltern mit ihren Beinen ein Nest, damit sich die Kinder geborgen fühlen können. In jeder Stunde lernen die Eltern Griffe für einen Körperteil – Beine,, Arme, Rücken, Bauch, Gesicht. Beim „Wasserrad“ streichen sie zum Beispiel mit flachen Händen abwechselnd zur Leiste, beim „indischen Melken“ werden die Hände zu einem C geformt und dann von der Hüfte zum Fuß bewegt, Streicheln vom Körper weg entspannt die Kinder, Streicheln zum Körper macht sie wach – „das also besser nicht vor dem Schlafengehen machen „, sagt Heike Gutwerk. Die Kursleiterin, die ein Diplom der Deutschen Gesellschaft für Babymassage hat führt die Griffe an einer Puppe vor. Sie selbst massiert die Kleinen nicht, weil die Berührungen nur für Eltern und Kind gedacht sind. „Im Kurs lernen wir auch, dass wir achtsam mit unserem Kind sind“, erklärt Heike Gutwerk. Respekt sei sehr wichtig: Denn nicht immer habe das Baby Lust auf Körperkontakt und Massage. Ein einfaches Ritual helfe Eltern, das zu erkennen: Jedes Mal, bevor sie anfangen zu massieren, verreiben sie vor dem Gesicht des Babys das Massageöl zwischen den Händen. Nach wenigen Malen weiß das Kleine, was kommt – es hört das Wischen zwischen den Händen -, und reagiert ablehnend oder freudig. „Du willst schon wissen, was jetzt kommt gell?“, fragt Tatjana Grimm, und Julius gluckst und strampelt mit den Beinchen. Erst dann beginnt sie zu massieren, und Julius genießt die Berührungen sichtlich. Über Berührungen erlebt das Baby sich und seine Wlt. Berührung ist die erste Sprache des Menschen.
Wie oft die Eltern ihre Kinder massieren, sei nicht so entscheidend, meint Heike Gutwerk – sondern, dass sie es überhaupt tun.


(Main Echo- 7Plus/2006 – von Susanne von Mach)

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